„Und jetzt feiert, als gäbe es kein Morgen mehr“ – Was Michael Bohnes zum Ende des CASTLE ROCK FESTIVALS 2026 sagte, war das Motto, dass sich durch die ganze Veranstaltung zog. Denn es war das Final Chapter, die letzte Ausgabe. Nach 26 Jahren endete das CASTLE ROCK FESTIVAL am ersten Juli Wochenende 2026. Es war ein emotionaler Abschied, den sich niemand entgehen lassen wollte: schnell waren die Tickets weg, das Festival ausverkauft. Über 1000 Menschen wollten ein letztes Mal diese unglaubliche familiäre Atmosphäre erleben, die dem Festival innewohnt. Und das CASTLE ROCK ließ sich nicht lumpen: ein großartiges Line-Up erwartete die Fans. LORD OF THE LOST und NACHTBLUT waren als Headliner dabei, Dauergäste wie CREMATORY durften ebenfalls nicht fehlen, ALL FOR METAL folgten dem Ruf nach Mülheim an der Ruhr und noch viele weitere.

Das CASTLE ROCK FESTIVAL startete am Freitag, den 03.07.2026 um kurz nach 15 Uhr mit dem Einlass. Und hier zeigte sich schon, dass diese Ausgabe was besonderes war. Denn es kamen so viele Menschen wie noch nie am ersten Tag. Über 80% ausverkauft. Und alle hoffen, dass dies der Stadt Mülheim ein Zeichen ist. Ein Zeichen dafür, wie wichtig der Szene dieses Festival ist.
Aber für Nostalgie oder gar Trauer um die letzte Ausgabe blieb erstmal keine Zeit. Denn um 16 Uhr startete das CASTLE ROCK FESTIVAL laut ins Wochenende. Die Niedersachen DIE LEGENDE VON NORD feuerte ein 40-minütiges Set ab, das man auch später im Line-Up hätte platzieren können. Souverän bewegten sich die Jungs um Sänger Emu auf der Bühne und brachten ordentlich Bewegung ins Publikum. Und auch die Stimmbänder wurden aufgewärmt, denn viele konnten die eingängigen Songs mitsingen. Und viele fingen direkt an zu lernen, denn DIE LEGENDE VON NORD sammelte mit ihrem charismatischen Auftritt auch gleich mal verdienterweise neue Fans ein. Wer sich nordisch weiterbilden möchte, kann die Jungs ab Ende August auf ihrer Tour besuchen.

Weiter ging es mit einer Powerfrau auf der Bühne: bei SNOW WHITE BLOOD ließ Sängerin Sarah die Mauern des Schlosses erbeben. Episch orchestral, atmosphärisch kraftvoll – so lässt sich wohl am ehesten beschreiben, was SNOW WHITE BLOOD auf die Bühne zauberten. Dass Sarah eine klassische Gesangsausbildung hat, war in allen Tönen zu spüren und verlieh den Songs aus der Märchenwelt eine besondere Note. Die Jungs der Band dagegen sorgten für einen ordentlichen Anteil Metal, was im gesamten zu einem besonderen Klangerlebnis ganz im Stile des Symphonic Metals führte.

Dass das CASTLE RCOK FESTIVAL für musikalische Vielfältigkeit (innerhalb der Szene natürlich) steht, zeigte sich im folgenden Genre-Wechsel: mit THE OTHER kamen Veteranen des Horror Punks auf die Bühne des Schlosses und hatten eine Auswahl an Songs ihrer gesamten Bandgeschichte dabei. Die Kölner Horror-Kapelle entfesselte im gewohnt schaurig-schönen Zombie-Look eine energiegeladene Monster-Party, die das sichtlich begeisterte Publikum restlos mitriss.

Was folgt logischerweise auf Metal und Horror Punk? Genau, Mittelalter-Rock. Und den beherrschen TANZWUT in Perfektion. Die zuvor gelegte Stimmungsgrundlage konnten die Berliner durch ihre pure, ungezähmte Spielfreude weiter anheizen und sollte es irgendjemandem im Publikum bisher gelungen sein, die Füße still zu halten, so war das nun auch vorbei. Es wurde mitgesungen, mitgetanzt und vor allem: mitgefeiert.

Zum Abschluss des ersten CASTLE ROCK Tages gab es nochmal Metal, aber in seiner düstersten Form: NACHTBLUT bewiesen einmal mehr, dass man auch mit stoischer Düsternis ein Publikum in den Bann ziehen kann. Wo sie vor einigen Jahren noch am Nachmittag spielten, bewiesen sie nun als absoluter Top-Act des Tages ihre gewachsene Live-Überlegenheit vor den rund 1.500 begeisterten Fans. Mit einer hochexplosiven Mischung aus messerscharfem Blackened Dark Metal, orchestralen Elementen und bitterbösen, gesellschaftskritischen Texten verwandelte NACHTBLUT den historischen Schlosshof im Handumdrehen in ein headbängendes Fanmeer. Ein absolut würdiger, energiegeladener Abriss, der dem Publikum genau die düstere Härte verpasste, die diesem geschichtsträchtigen Festivalwochenende gebührt.

Und so endete der erste Tag des letzten CASTLE ROCK FESTIVALS. Gewohnt laut, gewohnt familiär, gewohnt besonders. Und so sollte es am nächsten Tag auch weiter gehen.
Eröffnet wurde der Festival-Samstag von EIGENSINN. Die Formation brachte genau das auf die Bühne, wofür sie in der Szene geschätzt wird: direkte, kompromisslose Neue Deutsche Härte mit einer ordentlichen Portion Biss. Frontfrau Nemesis heizte dem Publikum mit ihrer diabolischen, facettenreiche Stimme ordentlich ein. Ein packender, lautstarker Opener für den letzten Tag des CASTLE ROCK FESTIVALS.

Direkt nach dem brachialen Opener legten die Gothic-Rocker WISBORG am Festival-Samstag nach. Mit einer perfekt ausbalancierten Mischung aus treibendem Post-Punk, unterkühlten New-Wave-Beats und bittersüßen Dark-Rock-Melodien schufen die Musiker eine dichte, fast hypnotische Atmosphäre. Der markante, tiefe Gesang und die unter die Haut gehenden Gitarrenwände kontrastierten faszinierend mit dem sommerlichen Tageslicht.

Um HEIMATAERDE war es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden. Um so erfreulicher war die Nachricht, dass mit „Vergesst uns nicht“ eine neue Single in Arbeit war, die auch bald veröffentlicht werden soll. Live hinterließ das Stück schon mal einen guten Eindruck in typischer HEIMATAERDE Manier. Ebenfalls typisch war das ein oder andere Blutelement der Show und bei „Hackebeil“ wurde dann auch noch auf Bitten des Veranstalters der Stadtrat geköpft.

Von den Kreuzrittern ging es fließend über zu den Folk-Metallern SAGENBRINGER, die extra von der langsam verschwindenden Insel Sylt angereist waren. Als moderne Skalden verweben die vier Nordlichter geschickt alte Mythen, Legenden und eigene Geschichten zu einer kraftvollen, musikalischen Saga. Ihr Auftritt bot eine perfekte Balance aus harten Metal-Riffs, treibendem, extremem Gesang und einprägsamen, mittelalterlichen Melodien.

Mit Sackpfeifen, Schalmeien und einer ordentlichen Portion Humor stürmten die Kölner Musiker von HAGGEFUGG die Bühne und verwandelten den Broicher Schlosshof im Handumdrehen in eine feierwütige Taverne. Die Band, die sich selbst augenzwinkernd dem „Prost-Mittelalter-Rock“ verschrieben hat, fackelte nicht lange und riss das Publikum ab der ersten Sekunde mit.

Den Award für die größten Muskeln und meiste gezeigte nackte Haut auf der Bühne ging definitiv an ALL FOR METAL. Aber auch musikalisch überzeugte die Formation. Angetrieben von dem kontrastreichen, perfekt harmonierenden Gesangs-Duo aus dem charismatischen Muskelpaket Tetzel und dem stimmgewaltigen Amerigo entfesselte ALL FOR METAL ein wahres Hymnen-Feuerwerk. Krachende, synchrone Gitarrenriffs, donnernde Bässe und eine packende, choreografierte Performance brachten das Publikum im Nu zum Kochen.

Nach dem epischen True-Metal-Gewitter übernahm mit den Urgesteinen von CREMATORY eine wahre Institution der dunklen Musikszene die Bühne. Deutschlands wegweisende Gothic-Metal-Pioniere brachten eine tonnenschwere, düstere Atmosphäre in den Broicher Schlosshof. Die Band feuerte ein explosives Best-of-Set ab, das die perfekte Balance zwischen brachialem Härtegrad und eingängigen Melodien traf. Gleichzeitig durchlebten CREMATORY damit auch ihre jahrelange Verbundenheit zum CASTLE ROCK FESTIVAL. Mindestens fünfmal war die Band schon Bestandteil des Line-Ups. Und selbst wenn sie nicht auf der Bühne standen, waren sie regelmäßige Gäste im Publikum. So regelmäßig wie das Publikum selbst, so dass Felix nach eigenen Angaben mindestens 80% der Leute kannte. Dementsprechend emotional war auch der Abschied von dieser imposanten kleinen Bühne.

Der richtige emotionale Abschied folgte aber kurz vor dem Headliner. Das gesamte Team des CASTLE ROCK FESTIVALS kam auf die Bühne und Michael Bohnes stellte jeden einzelnen dem Publikum vor, bedankte sich bei allen und bei den Fans für die Jahrzehntelange Treue und Unterstützung. Mühsam hielt er sich die Abschiedstränen zurück. Was ihm wohl nur gelang, weil er diesen Programmpunkt selbst geplant hatte. Ins Wanken kam er nämlich, als die Fotografen ihr Abschiedsgeschenk überreichten: eine Sammlung unserer Best-of Bildern, gespickt mit kleinen Nachrichten und den Unterschriften verschiedener Bands. Was deutlich zeigte: das CASTLE ROCK FESTIVAL war immer eine Veranstaltung von Fans für Fans, die von allen Seiten geliebt und gefeiert wurden. Und bei diesem Abschied floss dann auch schon die ein oder Träne auf und vor der Bühne. Aber bevor es zu emotional wurde, kündigte Michael Bohnes die letzte Band des CASTLE ROCK FESTIVALS an. Eine Band, die untrennbar mit dem Festival verbunden ist und dem CASTLE ROCK nach eigenen Angaben sehr viel zu verdanken hatte: LORD OF THE LOST.
Nach einem Tag voller Highlights setzte die Band um den charismatischen Frontmann Chris Harms dem Festival die Krone auf. Vom ersten Ton an entfesselte die Formation eine visuell und musikalisch atemberaubende Show, die die historischen Schlossmauern erbeben ließ. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus düsterem Glam, harten Metal-Riffs, treibenden Synthie-Melodien und Chris‘ wandlungsfähiger Stimme zogen sie die textsichere Menge komplett in ihren Bann. Ein Hit feuerte den nächsten ab – von epischen Hymnen bis zu brachialen Club-Tracks. Die ohnehin schon magische Kulisse verschmolz im Schein der Scheinwerfer mit der unbändigen Energie der Band zu einem unvergesslichen Gesamtkunstwerk.

Unvergesslich sein wird auch das Geschenk, das LORD OF THE LOST für Michael Bohnes im Gepäck hatte. Denn auch wenn der Veranstalter meinte, er würde nicht nochmal auf die Bühne kommen, so konnten die LORDs das nicht auf sich beruhen lassen. Immer wieder waren sie Gast auf dem CASTLE ROCK gewesen, selbst als noch niemand sonst ihnen wirklich eine Chance geben wollte. Und ohne das CASTLE ROCK FESTIVAL wäre auch ein Album wie „Blood and Glitter“ laut Chris nicht möglich gewesen. Und so hatten sie ihren Album-Charts Platz 1 Award nochmal neu herstellen lassen, um den Namen von Michael Bohnes und das CASTLE ROCK FESTIVAL darauf zu verewigen. Bei der Überreichung diesen Geschenks war dann auch jegliche Selbstkontrolle bei Michael dahin und es flossen tatsächlich auch bei ihm die Tränen.

Auch wenn das Festival zeitlich schon in Verzug war und die 22 Uhr Grenze deutlich überschritt: Michael ließ LORD OF THE LOST einfach ihr Set zu Ende spielen. Und so folgte eine weitere halbe Stunde Party, bei der das Publikum nochmal alles raus lassen konnte, alle Emotionen, alle Kraft. Ein absolut würdiger, hochemotionaler und meisterhafter Festival-Abschluss, der den Fans noch lange Gänsehaut bescheren wird!
Und so ging es zu Ende, das Final Chapter dieses außergewöhnlichen Festivals. So ganz glauben kann man es noch nicht. So richtig klar wird es wohl erst, wenn man nächstes Jahr zu dieser Zeit eben nicht in Mülheim an der Ruhr ist. Es bleibt nur die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch irgendeine Möglichkeit gibt, etwas ähnliches zu veranstalten. Ersetzen aber wird man das CASTLE ROCK FESTIVAL nicht können. Festivals wie dieses sind kaum noch zu finden. Und so blicken die Fans auf 26 wunderbare Jahre zurück, erinnern sich an die wunderbaren Moment und sehen sich vielleicht nochmal zu anderen Veranstaltungen wieder.
Bilder und Text: Nina Hermes